Bischof Kohlgraf eröffnet auf der Liebfrauenheide das Jubiläumsjahr "400 Jahre Gnadenbild"

Hohen Besuch erwartet die Pfarrei St. Nikolaus am Sonntag, 1. Mai, auf der Liebfrauenheide. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf wird dort um 10 Uhr die Wallfahrtssaison 2022 mit einem feierlichen Pontifikalamt eröffnen und predigen. Für die Kirchengemeinde und alle Gläubigen aus der Region, die regelmäßig zur Kapelle im Wald pilgern, ist es der Auftakt zu einem ganz besonderen Jubiläum: Im Mittelpunkt steht das auf der Liebfrauenheide verehrte Gnadenbild, dessen Alter auf 400 Jahre geschätzt wird. Das sollte eigentlich schon 2020 gefeiert werden, musste wegen der Pandemie aber ausfallen.

„Wir freuen uns, das Jubiläum nun gemeinsam mit unserem Bischof begehen zu können“, sagt der Klein-Krotzenburger Pfarrer Thomas Weiß und lädt die Gläubigen von nah und fern zu diesem Gottesdienst unter freiem Himmel ein. Der Besuch des Bischofs unterstreiche die Bedeutung der Wallfahrtsstätte, die gerade auch in der Corona-Pandemie und nun während des Krieges gegen die Ukraine für unzählige Menschen ein Ort der stillen Einkehr und des Gebetes um Frieden sei.

Konzelebrieren wird am 1. Mai auch Willi Gerd Kost, der vom 1. August 2022 an als leitender Pfarrer des neuen Pastoralraumes Mainbogen amtiert, zu dem dann alle Gemeinden des bisherigen Dekanates Seligenstadt zählen.

Die Entstehung der hölzernen Darstellung Mariens mit dem toten Jesus im Arm datieren Kunsthistoriker auf die Zeit um 1620. Ein Hirte soll die bäuerliche Schnitzerei kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) in einem hohlen Baum an der Stelle der heutigen Kapelle im Wald bei Klein-Krotzenburg entdeckt haben. Bewohner der Gegend hatten die Pietà dort offenbar vor den Kriegswirren in Sicherheit bringen wollen.

Der Fundort wurde schnell zur Andachtsstätte. Das Bildnis der Schmerzhaften Muttergottes befestigten die Krotzenburger zunächst an einer Eiche. Bald darauf wurde zum Schutz des Bildes eine kleine Kapelle aus Holz errichtet. Die wachsende Zahl der Pilgerinnen und Pilger führte schließlich 1736 zur Errichtung einer Kapelle aus Stein, die schon 1749 vergrößert werden musste. Der heutige Bau entstand 1866 bis 1868 auf Anregung des damaligen Mainzer Erzbischofs Wilhelm Emmanuel von Ketteler, nachdem die Wallfahrt zwischenzeitlich vom Bistum verboten gewesen war und der Vorgängerbau abgetragen werden musste.

Die Liebfrauenheide ist bis heute ein Ort, den täglich viele Gläubige zum Gebet und Innehalten aufsuchen. Von Mai bis Oktober finden regelmäßig Wallfahrten mit Prozession zur Kapelle und anschließendem Gottesdienst statt.

Für den 1. Mai lädt die Pfarrgemeinde um 18 Uhr zur Eröffnung der Maiandachten mit Segnung von Fahrrädern, Inlinern, Rollstühlen und Rollatoren ein. (Tobias Schwab)