"Du bist meine Liebe, Krotzenburg am Main"

„Trotz der Entfernung werde ich mich immer eng mit Ihnen verbunden fühlen, denn hier habe ich ein Stück Heimat gefunden.“ Mit diesem Versprechen verabschiedete sich Kaplan Levi Hinglo aus Benin am vergangenen Sonntag von der Pfarrgemeinde St. Nikolaus in einem im wahren Wortsinne tränenreichen Gottesdienst. Zwei Jahre lang wirkte der Priester aus Westafrika neben Pfarrer Thomas Weiß als Seelsorger in Klein-Krotzenburg – und eroberte dabei mit seinem strahlenden Lachen und seiner Zugewandtheit im Sturm die Herzen der Klein-Krotzenburger.

Das wurde in allen Abschiedsworten deutlich. Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Ute Maas, dankte Levi Hinglo für „seine mitreißende Lebensfreude“ und seine tiefe Spiritualität. Am Ende des Gottesdienstes, den die neue Sacro-Pop-Gruppe unter Leitung von Ulrike Hoffmann mitgestaltete, überreichte Pfarrer Thomas Weiß seinem Mitbruder als Geschenk der Gemeinde einen Kelch und eine Hostienschale für die Eucharistiefeier. Von den Ministranten erhielt Levi Hinglo ein T-Shirt mit allen Unterschriften der großen Schar der Altardienerinnen und -diener.

Mit einem Segenslied des Seligenstädter Komponisten Thomas Gabriel verabschiedete eine Gruppe von Erzieherinnen von St. Nikolaus den jungen Geistlichen, der nun seine theologische und kirchenmusikalische Ausbildung in Mainz fortsetzen wird.

„Wenn Sie wüssten, was ich gerade spüre“, sagte Hinglo, dem die Stimme bei seinen Abschiedsworten stockte. „Ich wollte einfach für Sie ein Mensch, ein Freund, ein Bruder, ein Priester sein.“ Er danke für die große Aufmerksamkeit, die ihm viele Menschen geschenkt hätten, auch solche, die nicht in die Kirche gehen, betonte der Kaplan. Bei den Begegnungen in der Gemeinde, in den Kitas, im Zeltlager, im Altenheim, im Supermarkt oder in Gaststätten habe er „tausende Herzen gefunden“. Doch nun sei es Zeit zu gehen.

Als die Gemeinde dann am Ende das Lied „Du bist meine Liebe, Klein-Krotzenburg am Main“ anstimmte, wurden die Augen fast aller Gottesdienstbesucher feucht. Ein Song, den Levi Hinglo – ein begnadeter Musiker und Sänger – zur Überraschung der Krotzenburger an Weihnachten in der Christmette sang, nachdem er über das Thema „Heimat“ gepredigt hatte. (Tobias Schwab)