"Katholisch sein in der Krise"

Der Ruf nach Reformen wird immer lauter. Die katholische Kirche steht unter großem Druck, sich zu verändern. Einer, der in dieser Debatte eine wichtige Stimme ist und überzeugende Anstöße gibt, ist am Sonntag, 8. September, zu Gast in St. Nikolaus: Jesuitenpater Dr. Klaus Mertes wird sich von 14 Uhr an im Foyer der Kreuzburghalle, Wilhelm-Leuschner-Straße 50, der Diskussion stellen und auch den Zuhörern Rede und Antwort stehen. Moderiert wird das Gespräch unter dem Titel „Katholisch sein in der Krise – Welche Reformen braucht die Kirche?“ von dem Journalisten und Theologen Tobias Schwab.

Mertes deckte im Jahr 2010 als Rektor des Canisius-Kollegs in Berlin zahlreiche Missbrauchsfälle in der Schule auf und machte sie öffentlich. Für die hartnäckige Arbeit an der Aufklärung des Skandals – auch gegen Widerstände in der Kirche – erhielt Mertes jüngst die Ehrendoktorwürde der Universität Freiburg. Heute ist der Theologe Direktor der Jesuitenschule St. Blasien im Schwarzwald und tritt für grundlegende Reformen in der Kirche ein. Seine Devise: „Auftreten statt austreten“.

Der Jesuit gehört zu den Unterzeichnern eines offenen Briefes an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx Reinhard Marx. Darin forderten neun prominente Katholiken im Vorfeld des vatikanischen Krisentreffens zum Missbrauchsskandal Ende Februar „mutige Reformen“. Die katholische Kirche solle ihre geistlichen Ämter für Frauen öffnen, Priestern die Wahl ihrer Lebensform freistellen und der Homosexualität mit Verständnis begegnen, heißt es in dem Schreiben.

Das Buch von Klaus Mertes SJ

Die Unterzeichner sprechen von einer bedrückten Stimmung in den Pfarrgemeinden: „Die Sonne der Gerechtigkeit kommt nicht mehr durch. Unter einem bleiernen Himmel verkümmert die Freude am Glauben.“

Die Kirche habe sich, „was den Missbrauch angeht, so schuldig gemacht“, sagt Pfarrer Thomas Weiß, der Mertes nach Hainburg eingeladen hat. „Das bringt mich und viele Menschen an Grenzen. Und ich spüre tief in meinem Inneren, dass Gott weint. Über uns. Um uns. Und hoffentlich auch mit uns. Und ich glaube, dass ihn nichts mehr freut, als wenn wir alle mithelfen, damit unsere Kirche wieder gesund wird.“ Ein offener, fairer Dialog, so Weiß, könne dazu „ein richtiger Schritt in die richtige Richtung sein“.

Jesuitenpater Mertes wird am Sonntag, 8. September, bereits am Vormittag um 10 Uhr auf der Liebfrauenheide den Wallfahrtsgottesdienst zum Fest Mariä Geburt zelebrieren und predigen. (Tobias Schwab)