Geschichte der Liebfrauenheide

Das geschnitzte Vesperbild der Schmerzhaften Gottesmutter Maria, eine Pieta, ist seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Ziel vieler Wallfahrer. Das Bild steht in einer Kapelle im Wald von Klein-Krotzenburg. Die Entstehungszeit des
Gnadenbildes datieren Kunsthistoriker auf die Jahre um 1620.

Hirten sollen das Bild nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) in einer hohlen Eiche entdeckt haben, wo es wahrscheinlich vor plündernden Soldaten versteckt worden war. Der Fundort wurde in den Jahren danach zum Ziel vieler Beter, woraufhin 1736 an dieser Stelle eine erste Kapelle errichtet wurde. Votivbilder erzählen von vielen Gebetserhörungen.

1755 wurden die Wallfahrten zur Liebfrauenheide auf Anordnung des Bischofs von Mainz "wegen eingetretener Missstände" untersagt. Die Kapelle musste abgebrochen werden. Das Gnadenbild wurde in einer feierlichen Prozession in die Pfarrkirche St. Nikolaus überführt. Hintergrund der bischöflichen Anordnung war offensichtlich eine Intervention von Bürgern Dieburgs in Mainz, die die Liebfrauenheide als unwillkommene Konkurrenz zu ihrer eigenen Marien-Wallfahrtsstätte sahen. Die Dieburger beklagten seit dem Aufkommen der Wallfahrten zur Liebfrauenheide stark abnehmende Pilgerzahlen.

Es war der Mainzer Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler (1811-1877), der ein Jahrhundert später den Bau einer neuen Kapelle und die Wiederbelebung der noch nicht vergessenen Wallfahrt zur Liebfrauenheide empfahl. Diese Kapelle wurde 1868 geweiht.

Bis heute ist die Liebfrauenheide ein lebendiger Marien-Wallfahrsort. Die Pfarrgemeinde St. Nikolaus pflegt die Tradition und setzt dabei auch immer wieder neue Akzente. Für die Fatima-Wallfahrten von Mai bis Oktober können jeweils interessante Prediger aus dem ganzen Bistum Mainz und den angrenzenden Diözesen Fulda und Würzburg gewonnen werden.

Die Kapelle ist darüber hinaus aber auch für viele Gläubige ein Wallfahrtsort des Alltags. Zahlreiche Menschen finden täglich den Weg zur Liebfrauenheide, um ihre Anliegen in einem kurzen Gebet der Fürbitte der Schmerzhaften Gottesmutter anzuvertrauen.